Die Entstehungs- und Gründungsjahre

Zu Beginn unseres Jahrhunderts entwickelte sich aus dem kleinen Fischerdörfchen Hennigsdorf ein großer Industriestandort mit entsprechendem Bevölkerungszuwachs. Zwar wurde die Volksschule 1912 durch einen Neubau erweitert und 1918 noch einmal aufgestockt, doch gab es in Hennigsdorf noch immer keine weiterführenden Schulen.

1922 schlossen sich engagierte Eltern zusammen, um ihren Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen. Unter Leitung des Rektors Leue wurden Unterrichtskurse eingerichtet, um den Kindern durch Erteilung von Privatunterricht eine höhere Bildung zu vermitteln. Die AEG unterstützte diese Ambitionen und stellte der höheren Privatschule entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung.

Doch aufgrund der wachsenden Schülerzahl reichte der Platz bald nicht mehr aus. Am 11. April 1925 beschloss daher das Kuratorium der Privatschule, dass eine neue und moderne Schule erforderlich sei. Am 1. April 1926 wurde das öffentlich anerkannte Reformreal-Gymnasium von der Gemeinde übernommen. In Anwesenheit von Vertretern der Gemeinde- und Staatsbehörde wurde das neue Schulgebäude an der Rathenaustraße am 10. August 1926 feierlich eingeweiht. Studiendirektor Schöler war der Erste, der die Aufgabe erhielt, die neu entstandene Schule zu leiten.

Zu Beginn des Jahres 1928 wurden 172 Schüler von 11 Studienräten, Studienassessoren und Lehrern unterrichtet. Und ihre Zahl stieg stetig an. Ostern 1929 wurde die Schule zu einer Vollanstalt. Im Jahr 1930 war es soweit, die ersten 5 Schülerinnen und Schüler unserer Schule legten ihr Reifezeugnis ab.

Kriegsjahre

Nach der Machtübernahme Hitlers fanden auch an unserer Schule tief greifende Veränderungen statt. Bis zum Jahr 1937 mussten alle Lehrer, um nicht entlassen zu werden, entweder in die NSDAP oder in den NSLB eintreten.

Und obwohl am 1. April 1937 das Reformreal-Gymnasium in eine "Oberschule für Jungen" umgewandelt wurde, bestanden weiterhin 50% aller Schüler aus Mädchen.

Der Krieg tobte, doch der Unterricht wurde trotzdem weitergeführt. Nachdem 1941 erste Bombenabwürfe über Hennigsdorf begannen, wurden viele Schüler in KLV-Lager (Kinderlandverschickungslager) in die Slowakei und an die Ostsee gesendet.

In der Schule wurden neben Luftschutzwachen auch besondere Klassen für Luftwaffenhelfer eingerichtet.

Ende 1944 musste das Schulgebäude vollkommen geräumt werden, da es für militärische Zwecke genutzt werden sollte.

Nachkriegszeit

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde mit großem Aufwand am Wiederaufbau der Hennigsdorfer Oberschule gearbeitet. Doch neben den Sanierungs- und Reparaturarbeiten mussten auch neue Nachwuchslehrkräfte ausgebildet werden. So kam es, dass nur durch Schichtunterricht bis in den späten Nachmittag hinein alle Schüler mit dem nötigen Unterricht versorgt werden konnten.

Doch ein Schuljahr des mühsamen Wiederanfangs wurde am 18. Juli mit der Reifeprüfung von 10 Abiturienten beendet.

Am 24. Oktober 1950 fand die feierliche Namensgebung der Schule statt.

Die frühere Oberschule wurde zunächst in eine 12-klassige Einheitsschule umgewandelt. Nachdem jedoch 1950 beschlossen wurde, 10-Klassenschulen einzurichten, erfolgte eine obligatorische Trennung in Grund- und Oberschule. Die Grundschule wurde dann von 1951 bis 1953 zur 10-Klassenschule ausgebaut und bezog das neu errichtete Gebäude der Heinrich-Heine-Schule.

Am 29. April 1953 konnte eine auf dem Schulhof der Puschkinschule, neu gebaute Baracke eingeräumt und damit genutzt werden. Während dieser Zeit wurden auch die letzten Bau- und Reparaturarbeiten abgeschlossen.

An der Puschkinschule traten hauptamtliche FDJ-Sekretäre ihren Dienst an. Sie gestalteten das Freizeitangebot der Schüler durch Verbesserung der Kulturarbeit, waren aktiv bei der Organisation der Ernteeinsätze tätig, bereiteten den Abschluss des Freundschaftsvertrages mit dem VEB LEW vor und führten am 10. September 1955 den ersten Fahnenappell durch.

Ein Höhepunkt kultureller Betätigung war die Gründung des Schulkabaretts "Kneifzange", welches am 13. Oktober 1953 im ehemaligen LEW-Klubhaus Premiere hatte. Als Horst Heller, ein wichtiger Mitarbeiter und Texter der "Kneifzange" 1955 die Puschkinschule verließ, nahm er das Kabarett zum "Erich-Weinert-Ensemble" mit "Die Kneifzange" existiert auch heute noch! 1990 etablierte sie sich an der Friedrichstraße in Berlin.

Einen weiteren kulturellen Beitrag lieferte das Schulfunkstudio.

Eine besondere Rolle spielte der Chor. Es gab keinen kulturellen oder gesellschaftlichen Höhepunkt, bei dem der Chor nicht aufgetreten wäre. Die Darbietungen waren immer gekennzeichnet durch ein hohes Niveau.

Zu festen Terminen im Kulturkalender wurden der Herbstball, der Faschingsball und der Abschlussball der Abiturienten durchgeführt. Außerdem arbeitete an unserer Schule ein Jugendklub, welcher sich auf die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung von Feierstunden, Tanzveranstaltungen, Discos und Veranstaltungen im Klubraum konzentrierte.

1973/74 versuchten Schüler der Puschkinschule, die erste Schülerzeitung unter dem Namen "Pausenblitz" herauszubringen. Doch genau, wie bei der späteren Schülerzeitung "Spezial" verhinderten materielle Schwierigkeiten das weitere Erscheinen.

Im Rahmen der materiellen Ausgestaltung der Schule wurde 1950 die Aula fertig gestellt. Um aus den ewigen Schwierigkeiten der Hallennutzung in der Goetheschule für den Sportunterricht herauszukommen, wurde 1960 der Ausbau der Turnhalle beschlossen. Da sich im Laufe der Jahre der bauliche Zustand der Decke stark verschlechterte, wurde die Halle 1968 baupolizeilich gesperrt. 1966 erfolgte die Einrichtung eines Sprachkabinetts und ein Jahr später die Fertigstellung eines Physik- und eines Biologie-Fachraumes.

In den 70er Jahren fanden mit Hilfe der Schüler viele Ausstellungen im Schulhaus statt. 1963 wurden als kulturelle Höhepunkte des Schullebens die "Woche der Biologie" und später die "Woche der Wissenschaft" ins Leben gerufen. Während dieser 12 Jahre andauernden Ereignisse gab es, neben zahlreichen Ausstellungen, auch viele interessante Vorträge von Wissenschaftlern und Doktoren.

1990/91 fand die letzte strukturelle Veränderung an der Puschkinschule statt. Es erfolgte die Zusammenlegung mit der bisherigen Heinrich Heine Oberschule zum "Alexander S. Puschkin" Gymnasium.

In eigener Sache

Unser umfassendes Wissen über die Geschichte unserer Schule verdanken wir einem unserer Lehrer: Herrn Studienrat Dr. Helmut Fritsch. Er nahm sich die Zeit und machte sich die Mühe, eine Chronik über das "Alexander S. Puschkin" Gymnasium in Hennigsdorf zu erstellen. Aufbauend auf Arbeiten von Herrn Dr. Dürcks erarbeitete Dr. Fritsch eine aufschlussreiche Zusammenfassung über die Entwicklung unserer Schule. Auf diesen Seiten findet man nur eine grobe Zusammenfassung der Geschichte, die jedoch ohne die bemerkenswerte Arbeit von Herrn Dr. Fritsch nicht möglich gewesen wäre.